2016
Gesundheitswesen

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Das Leitbild von Centrum Ganspoel ist die Beaufsichtigung von Menschen mit Seh- und Mehrfachbehinderungen an einem Ort, der für sie am besten geeignet ist.

Der zentrale Campus von Ganspoel liegt malerisch zwischen Feldern, aber auch sehr abgelegen. Nach und nach sind wir zu dem Schluss gekommen, dass für eine Gruppe junger Menschen die Kombination von Schulbesuch und Aufenthalt auf dem großen zentralen Campus nicht wirklich ihren Fähigkeiten entspricht. Diese Gruppe sollte – wie junge Menschen ohne Behinderung – am sozialen Leben teilnehmen: sich im lokalen Sportclub betätigen, selbst zur Bäckerei gehen, ausgehen können; kurzum: am täglichen Leben teilnehmen können.

Deshalb fanden wir es angemessen, diese Gruppe junger Menschen in das Zentrum der Stadt Tervuren zu verlegen. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, im Stadtzentrum zu leben, womit Freizeiteinrichtungen nun zu Fuß erreichbar sind, sowie in einer Straße mit Anschluss an die Einkaufsstraße und dem Kirchplatz zu leben.

Was war so innovativ an der Art und Weise, wie dieses Problem angegangen wurde?

Der innovative Aspekt dieses Projekts liegt im Ansatz für die Zielgruppe. Inklusive Wohnprojekte für Erwachsene gibt es schon seit mehreren Jahren, aber nicht für junge Leute. Kinder aus verschiedenen Provinzen besuchen die Schule im Centrum Ganspoel, was bedeutet, dass in der Regel auch Unterbringung erforderlich ist. Um größtmögliche maßgeschneiderte Unterstützung bieten zu können, bedurfte das Projekt einer auf die Bedürfnisse zugeschnittenen Infrastruktur und eines passenden Standorts.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf den Sektor, in dem es/sie tätig ist?

Der Wohltätigkeitssektor für Menschen mit Behinderung durchläuft momentan einen grundlegenden Wandel, wobei die private Finanzierung im Mittelpunkt des Interesses steht. Momentan gilt dies nur für Erwachsene, was jedoch zu einem späteren Zeitpunkt auf junge Menschen ausgeweitet wird. Das Projekt berücksichtigt bereits all diese Veränderungen und wurde vor kurzem in einer Rede des belgischen Ministers für Wohlfahrt, Volksgesundheit und Familie, Vandeurzen, als Beispiel genannt.

Welchen Einfluss hatte das Unternehmen bzw. die Organisation auf die direkte Umgebung?

Der Stadtrat hat unser Projekt von Anfang an unterstützt und mit unserem Team zusammengearbeitet. Außerdem haben Judo-Trainer des lokalen Clubs im Rahmen einer Politik der aktiven freiwilligen Teilnahme Informationen über Sport mit Menschen mit Sehbehinderung erhalten. Lokale Unternehmen bieten den jungen Menschen Praktika an. Die Anwohner und Förderer vor Ort waren ebenfalls zur Eröffnung der neuen Unterkunft eingeladen. Die beteiligten jungen Leute werden nun nicht mehr als die „Jugend vom De Pit“ bezeichnet, sondern tatsächlich mit ihrem Namen und als Mitglieder der Vereinigung angesprochen.

Als der Stadtrat Mobilitätsmaßnahmen plante, zog er unsere Mitarbeiter zu Rate, um neue Fußwege mit tastbaren Markierungen als Führungslinie für blinde Menschen zu schaffen. Bei der Aufstellung neuer Verkehrsampeln wurden die Bedürfnisse von Menschen mit einer (Seh-)Behinderung berücksichtigt.

Die Ankunft dieser Gruppe junger Leute hat Wirkung auf die Politik des Stadtrates gezeitigt. Davon hat nicht nur die Gruppe junger Leute definitiv profitiert, sondern auch alle anderen Einwohner und Besucher der Stadt, mit und ohne Behinderung.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen bzw. die Organisation?

Die Triodos Bank hat ihr Vertrauen in uns gesetzt, was die finanzielle Umsetzung des Projekts anbelangt. Dadurch konnten wir uns vollständig auf den Inhalt und Mehrwert für unsere Kunden konzentrieren.

Wir starten derzeit ein neues Projekt, dieses Mal auf dem zentralen Campus von Centrum Ganspoel. Wir sind hocherfreut, ein zweites Mal mit der Triodos Bank zusammenarbeiten zu können. Neben den sozialen Vorteilen möchten wir sicherstellen, dass das aktuelle Projekt aus breiterer Perspektive nachhaltig ist, zum Beispiel im Hinblick auf die beim Bau verwendeten Techniken und Materialien.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank unterstützt das Ziel des Projekts: das Erreichen einer maximalen Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Ich denke, wir haben einen großen Erfolg erzielt. Vielleicht ist es für eine vollständige Inklusion noch ein bisschen verfrüht, was jedoch daran liegt, dass dies in der breiteren Öffentlichkeit noch nicht so gut bekannt ist. Die jungen Menschen jedoch, mit denen wir zusammenarbeiten, sind definitiv vollständig in die lokale Gemeinschaft eingebunden.